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Wie Menschen auf körperliche Schmerzen reagieren, ist ganz
unterschiedlich. Natürlich hängt die Reaktion von der Intensität und
Qualität der Schmerzreize ab, aber auch von der momentanen
Situation, bisherigen Erfahrungen und vielen anderen Faktoren.
Schmerzen werden von verschiedenen Personen oft ganz unterschiedlich
bewertet – das macht für den Arzt eine exakte Diagnose und
entsprechende Behandlung umso schwieriger. Aus diesem Grund bemühen
sich Wissenschaftler heute, Schmerz- und Sinneswahrnehmungen so
objektiv wie möglich darzustellen.
In ihren
Experimenten konfrontierten Forscher aus Österreich und Deutschland
insgesamt 29 Versuchspersonen mit unterschiedlichen thermischen
Reizen, um die Temperatur- und Schmerzempfindlichkeit bei Männern
und Frauen zu messen. Um anschließend herauszufinden, welche
Faktoren die Wahrnehmungen der Probanden möglicherweise verändern
könnten, wurden die Versuche wiederholt - diesmal jedoch in
Kombination mit Akupunktur durch Lasernadeln.
Kalt oder warm auf drei Quadratzentimetern
Alle 29 Versuchsteilnehmer, 20 Frauen und neun Männer, waren
gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 29 Jahren. Über eine drei
Quadratzentimeter große Kontaktfläche, die sich gezielt erwärmen
oder abkühlen ließ, wurden den Probanden thermische Reize zwischen
Null und 52° Celsius präsentiert – immer an der rechten
Handinnenflächen, dort wo der Daumen ansetzt. Wenn der Teilnehmer
einen Wärme- oder Kältereiz spürte oder als Schmerz empfand, konnte
er das über eine Steuereinheit mitteilen. Die Daten wurden im
Computer gesammelt und weiterverarbeitet. Zunächst wurde gemessen,
welche Kälte- oder Wärmereize die Probanden überhaupt als solche
wahrnahmen. Dann wurde die Reizschwelle bestimmt, ab der ein Kälte-
oder Hitzereiz als schmerzhaft empfunden wurde. Zwischen den
Messungen lag eine mindestens fünfminütige Pause.
Frauen reagieren schmerzempfindlicher auf
Kälte und Hitze
Die ausgewerteten
Daten zeigten, dass Männer und Frauen bestimmte Wärme- und
Kältereize offenbar gleich gut wahrnehmen konnten. Deutliche
Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden jedoch offenkundig,
als es um die temperaturabhängige Schmerzschwelle ging: Insgesamt
lag die Schmerzschwelle der Männer, was Hitzeschmerz betrifft, höher
als bei Frauen. Während Männern erst Temperaturen von
durchschnittlich 50° Celsius Wärme schmerzten, tat es Frauen schon
bei zwei bis drei Grad Celsius weniger weh. Noch extremer war der
Unterschied beim Kälteschmerz: Männer spürten erst bei knapp Null
Grad Schmerzen, bei Frauen lag die Schmerzschwelle weit über zehn
Grad Celsius darüber. Die Versuche weisen also darauf hin, dass
Frauen – zumindest was Hitze und Kälte betrifft – erheblich
schmerzempfindlicher sind als Männer.
Akutes Schmerzempfinden nach Akupunktur durch Lasernadeln
Weil die Wissenschaftler herausfinden wollten, welche
Faktoren die gemessenen Schwellenwerte womöglich verändern könnten,
wurden die Versuche bei den Probanden (nach mindestens 20 Minuten
Pause) noch zweimal wiederholt und zwar unter zusätzlichem Einsatz
von so genannter Lasernadel-Akupunktur oder vorgetäuschter
Lasernadel-Akupunktur als Kontrolle (Placebo).
Die
Stimulation von Akupunkturpunkten durch intensive und stark
gebündelte Laserstrahlen ist eine recht neue Methode. Anstelle von
Akupunkturnadeln, die in die Haut inseriert werden müssen, erfolgt
die Reizung ausschließlich über dünne Lichtleiter und ist vollkommen
schmerzfrei. Außerdem erleichtern Lasernadeln die Placebo-Kontrolle:
Weil alle Teilnehmer während der Tests eine Augenbinde trugen,
konnten sie nicht unterscheiden, ob der Laser aktiv war oder nicht.
Die Lasernadel-Akupunktur (oder die vorgetäuschte Anwendung) dauerte
jeweils zehn Minuten und wurde an fünf Akupunkturpunkten
gleichzeitig durchgeführt. Um die Versuche möglichst objektiv zu
gestalten, wurden die Probanden über den Placebo-Einsatz nicht
informiert.
Lasernadel-Akupunktur wirkt kaum gegen akute Hitze- und
Kälteschmerzen
Der Vergleich der
Ergebnisse vor und nach der Lasernadel-Behandlung zeigt, dass weder
die echte noch die vorgetäuschte Lasernadel-Akupunktur die
temperaturabhängige Empfindungs- oder Schmerztoleranz der Probanden
signifikant beeinflusste. Wenn es um akute Schmerzen geht, scheint
die gleichzeitige Akupunktur also nicht deutlich zu helfen.
Keinerlei Aussage ermöglichen diese Daten allerdings über die
Wirksamkeit der Akupunktur zur Behandlung chronischer Schmerzen.
Auch eine möglicherweise zeitlich verzögerte Wirkung wurde hier
nicht untersucht. Eine leichte Tendenz wurde bei den Versuchen
sichtbar: Nach Akupunktur stieg die Schmerztoleranz der Frauen
hinsichtlich Kälteschmerz ein wenig an. Dass Akupunktur bei Frauen
womöglich besser wirkt als bei Männern, wurde schon in anderen
Studien beobachtet.
Schmerzen
sind eine vielschichtige Angelegenheit
Frauen und Männer
nehmen bestimmte Schmerzen offenbar unterschiedlich wahr. Worin
genau diese Wahrnehmungsunterschiede bestehen, können
Wissenschaftler noch längst nicht sagen. Die Entstehung und
Weiterverarbeitung von Schmerzen im Körper bleibt ein hochkomplexes
Thema, das der Forschung noch viele Rätsel aufgibt. Immer deutlicher
wird jedoch, dass viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen –
Schmerzen betreffen Körper und Seele. Entsprechend ganzheitlich
sollten Schmerzpatienten auch behandelt werden, fordert Professor
Frank R. Bahr von der Deutschen Akademie für Akupunktur und
Aurikulomedizin (DAAAM): „Eine effektive Schmerztherapie wird dann
möglich, wenn wir die Zusammenhänge und Umstände betrachten, unter
denen Schmerzen bei Patienten entstehen“, betont der Mediziner.
Quelle: Litscher G et al.: Quantitative Bestimmung
geschlechtsspezifischer thermischer Empfindungs- und Schmerzwellen
vor und nach Lasernadelstimulation. Biomedizinische Technik (2004);
49: 106-110.
>> www.schmerz-arzt.de
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